4. – 28. August, geplant war ein Törn mit meinem Freund Pierre, aber das hat mit ihm nicht geklappt. So wurde es ein Einhand-Törn, gelegentlich mit Besuch.
4. August 2023
Nach nur einigen Tagen Berufsleben komme ich schon wieder nach Portorož zu meiner Betty. Diesmal will ich mein Schiff für den ersten großen Schlag klarmachen und dann in Richtung Split aufbrechen.
Geplant war der Trip mit meinem Freund Pierre aus dem Schwarzwald. Er kommt jedoch nicht mit und somit entschließe ich mich zu einem Einhand-Törn. Sabine kann mich leider nicht begleiten, sie hat für sich anders geplant und das lässt sich nicht mehr ändern. Sollte ich unterwegs merken, dass es nichts für mich ist, dann drehe ich eben wieder um. In Trogir möchte ich Markus, einen alten Kollegen und Freund treffen. Dort treffe ich möglicherweise auch noch Matthias mit Familie, die gleichzeitig in der Region einen Segelurlaub verbringen.
In der Marina angekommen decke ich Betty ab und schließe Landstrom an. Die Status-Anzeige blinkt komisch rot und schon nimmt meine Nase verschmorte Elektronik wahr. Das geht ja schon gut los. Schnell finde ich das Problem. Das Batterieladegerät funktioniert nicht. Gleich ausgebaut finde ich eine durchgebrannte Schmelzsicherung vor.
Das lässt sich nach einem Besuch in einem Elektrofachgeschäft schnell beheben. Rasch ist eine neue Sicherung eingebaut. Pst – schon wieder durchgebrannt. Und dann fliegt auch noch der Schutzschalter am Landstrom.
Es stellt sich heraus, das Ladegerät ist kaputt. Na bravo, wo lässt sich jetzt schnell Ersatz beschaffen. Mein Bootsnachbar Eduard empfiehlt mir seinen Elektriker aus Ljubljana, ich soll ihn doch mal anrufen. Kaum zu glauben, er ist in der Nähe unterwegs und hat sogar ein neues Ladegerät dabei. Noch am selben Nachmittag bekomme ich die Lieferung und kurz darauf ist das Gerät im Schiff verbaut. Yes, jetzt kann es losgehen.
5. August 2023
Bedingt durch schlechtes Wetter und Sturmwarnungen verspätet sich das Ablegen noch weiter. Ob somit das Törnziel in der verbleibenden Zeit erreicht werden kann, um anschließend bis Monatsende wieder nach Portorož zurückzukehren ist unklar. Aber bekanntlich ist doch der Weg das Ziel!
Dem aktuellen Wetterbericht zu folge sollte es möglich sein, am Montag die Leinen loszuwerfen. Das erste Etappenziel ist dann Novigrad. Da ich mich bei der aktuellen Wetterlage (schwerste Überschwemmungen in Slowenien und Kroatien) noch nicht auf stabiles Wetter verlassen möchte, habe ich dort in der Marina Nautica einen Liegeplatz reserviert. Danach will ich verstärkt an Bojen festmachen oder irgendwo in schönen Buchten den Anker werfen.
6. August 2023
Ein entspannter Tag in der Marina liegt hinter mir. Es gab auch Gelegenheit zu netten Gesprächen und Erfahrungsaustausch mit anderen Bootseignern. Das Wetter hat sich nach Regen zum Frühstück beruhigt und hat sich sogar zu einem schönen Sonnentag entwickelt. Bis zum frühen Abend, da kam wieder ein Tramontana mit Gewitter angebraust, mit heftigen Sturmböen. Mal sehen, ob sich die Wetterlage bis morgen beruhigt und ich dann tatsächlich in Richtung Trogir aufbrechen kann. Das Schiff ist mit Getränken und Proviant vollgepackt und wäre bereit.
7. August 2023
Die Nacht war noch regnerisch und böig, aber die ersten Sonnenstrahlen am Morgen sind vielversprechend. Auch laut Vorhersage wird es heute und die nächsten Tage ruhig bleiben. Also werde ich mich gleich aus meiner Koje schälen, einen Power-Cocktail und Kaffee einwerfen und dann die Leinen los machen! Novigrad, ich komme!
Vor dem Ablegen ergeben sich spontan noch zwei nette Smalltalks mit Nachbarn und Eduard lädt mich noch auf einen Kaffee auf seiner Elan ein. Das kann ich kaum abschlagen, denn ich mag ihn. Also bleibe ich noch bis nach 9 in der Marina.
5 Stunden 30 Minuten später laufe ich dann aber tatsächlich in der Marina Nautica in Novigrad ein. Es war zu wenig Wind, um ohne Motorunterstützung voran zu kommen. So lautet die heutige Energiebilanz: 11 Liter Dieselverbrauch für knapp 17,6 Seemeilen. Das weiß ich so genau, weil ich nachgetankt habe, wollte nachprüfen, ob die Angabe der 2 Liter/Stunde bei 2.000 U/min stimmen. Stimmt also genau.
Offen gestanden bringt mich die Tagesbilanz ernsthaft zum Nachdenken. Denn in den nächsten Tagen ist nur moderater Wind vorhergesagt und das bedeutet Fahrt mit freundlicher Unterstützung von Volvo-Penta. Anders würde ich das Ziel Trogir nicht rechtzeitig erreichen.
Das macht irgendwie Streß, nervt mich und außerdem bring es keinen Spaß. Es soll doch Urlaub sein. Täglich Meilen unter Maschine schrubben, nur um Freunde in Trogir zu treffen und dann das ganze wieder zurück? Ich will mir morgen ernsthaft überlegen, ob ich von diesem Plan abweiche und stattdessen mich mehr auf Segeln, Schnorcheln und in schönen Ankerbuchten Zeit totschlagen fokussiere. Hm, das kling nun so als hätte ich schon entschieden. Aber ich vertage die Antwort auf morgen.
8. August 2023
Zuerst war Flaute, aber nach knapp einer Stunde unter Maschine entwickelte sich ein toller Segeltag. Die nötige Strecke nach Rovini habe ich zwar nicht geschafft, aber dafür hatte ich Spaß beim Segeln. Nach etwa 17 gesegelten Meilen wollte ich mir für den Nachmittag einen schönen Ankerplatz zum Baden suchen. Die Bucht Luka Funtana hatte ich mir dafür spontan ausgesucht.
Um mehrere Untiefen herumgesegelt komme ich dort an und mache den Anker klar. Mir fällt auf, dass in der Bucht, sonst kein Segler ankert, das macht mich stutzig. Außerdem steht noch ordentlich Wind und Welle in der Bucht. Es gibt dort aber auch die Marina Fontana. Ich rufe dort per Funk auf Kanal 17 an und frage nach einem Liegeplatz. Das klappt und es gefällt mir dort sehr gut. Es grenzt ein toller Campingplatz mit riesigem Park an und es gibt reichlich schöne Badeplätze für mich.
Das Ziel Trogir schwindet somit in weite Ferne. Bei diesen recht kurzen Tagesetappen ist es bis Mitte August für nicht ohne Streß zu schaffen. Der Entschluss ist somit klar, ich werde die nächsten Tage weiterhin hier im Umfeld von Bucht zu Bucht bummeln und dann den Rückweg antreten.
9. – 10. August 2023
Ich segle von Bucht zu Bucht, liege entweder vor Anker zum Baden oder segle eine Kreuz in die Adria und zurück. Die Nacht verbringe ich entweder vor Anker oder in in der nächsten Marina.
Gestern sollte es nachts auffrischen. In den umlegenden Marinas war jedoch alles belegt und so blieb ich die Nacht aufmerksam vor Anker, sozusagen jederzeit bereit für Manöver. Tatsächlich habe ich aber alles verschlafen und am Morgen war alles noch unversehrt.
11. August 2023
Am Dienstag besucht mich Markus in Portoroz und bleibt bis Freitag. Wenn ich schon nicht nach Trogir komme, um ihn zu treffen, dann eben besucht er stattdessen mich. Also mache ich mich weiter auf den Rückweg. Das wären vom heutigen Standort Funtana noch etwa 30 Seemeilen. Der Wind ist heute mäßig bei etwa 3 Windstärken und ich will mal sehen, ob die Strecke in einem Tag unter Segel zu machen ist.
Tatsächlich hat das in knapp 8 Stunden Fahrtzeit geklappt. Vorbei an Porec, Novigrad und Umag. Nur die letzten Meter in der Bucht von Portoroz musste ich unter Maschine einlaufen, da zum Schluss der Wind eingeschlafen ist.
Das anstehende Wochenende werde ich hier in Portoroz genießen. Werde mein Schiff wieder putzen, den Kühlschrank auffüllen, den Weinkeller auch, am Pool abhängen, ein paar Bier und Wein trinken und vielleicht auch ein Steak grillen. „Mal sehen, was die nächste Flut für mich mitbringt.“ (Frei nach Cast Away, Tom Hanks, einer meiner Lieblingsfilme).
12. August 2023
Seit einigen Tagen bemerke ich, dass der Kühlerschlauch nicht richtig dicht ist. Obwohl ich den Schlauch erst vor kurzem ausgetauscht hatte. Da liegt sofort der Verdacht nahe, dass ich den neuen Schlauch mit der Schlauchschelle zu fest angezogen und dabei den Gummi beschädigt habe. Da die undichte Stelle im Bereich der Schlauchschelle zu sein scheint, könnte ich mit meinem Verdacht richtig liegen.
Also wieder einen neuen Schlauch und Kühlmittel besorgen?
Oder ich versuche einen alternativen Plan? Ich will versuchen, beim Abklemmen des Kühlschlauchs, die austretende Kühlflüssigkeit mit Plastiktüten aufzufangen. Diese fixiere ich mit Panzertape um die Rohrmuffe herum. Den Kühlerschlauch kürze ich dann ein paar Zentimeter und baue alles wieder zusammen. Das Kühlmittel aus den Plastiktüten wird am Ende wieder eingefüllt.
Das hat erstmal geklappt und beim Motorstart war vorerst alles dicht. Morgen will ich wieder ausfahren, dann lasse ich die Maschine etwas länger laufen. Mal sehen, ob es diesen Test auch übersteht. Wenn nein, dann habe ich leider wieder eine Baustelle.
Ich denke, nach dieser Aktion habe ich eine kleine Belohnung verdient. Ich denke da an ein leckeres Steak mit Knoblauchbrot…
13. – 14. August
Es hat sich gezeigt, dass der Kühlschlauch noch immer nicht dicht ist. Inzwischen bin ich mit diesem verdammten Gummi langsam fertig und ratlos. Noch weiter kürzen wird nicht funktionieren, daher bestelle ich mir bei Volvo-Penta Ersatz und lass es hier in die Marina schicken.
Morgen kommt für einige Tage Markus. Auch mit undichtem Kühlerschlauch sollten ein paar Ausfahrten möglich sein. Bis er wieder weg ist, wird hoffentlich das Ersatzteil geliefert sein.
15. – 18. August
Markus kommt aus Düsseldorf nach Triest geflogen, dort hole ich ihn am Flughafen ab.
Er findet Betty zwar nicht super-gemütlich, aber er genießt die Zeit mit mir an Bord. Eine Nacht verbringen wir im Umfeld der Bucht von Portoroz mit Segeln und Baden in der Bucht. Am Donnerstag wagen wir einen Schlag nach Umag. Die ACI Marina dort überzeugt mich nicht, der Steg ist unglaublich hoch und ohne Gangway praktisch nicht zu erreichen. Es scheint, die Marina ist ein alter umgebauter Industriehafen.
In Umag wagen wir nach einem perfekten Dinner am alten Stadthafen einen Abstecher in die Kneipenwelt der Altstadt. Wir landen schließlich bei Livemusik mit FILIMAN (www.facebook.com/filiman.mandic oder @filimanmandic) und erleben Gitarrenriffs vom Feinsten. Ein unglaublicher Künstler. Ich komme später ins Gespräch mit dem Gitarrengott und bin fassungslos vor Scham. In seiner Welt spricht man mit der Gitarre. Gerne möchte ich ihn wiedersehen.
Am Freitag bringe ich Markus nach Triest zum Bus. Zum Abschied besuchen wir noch ein uriges Lokal am Hafen.
19. August 2023
Heute ist Waschtag und dann Workshop an der Motorkühlung. Die Lieferung von Volvo-Penta ist zwar noch nicht da, aber ich kann schon den defekten Schlauch entfernen und den Kühler spülen. Vielleicht habe ich Glück, und die Lieferung kommt noch bis zum Abend. Andernfalls muss ich bis Montag warten und kann mit Betty solange nicht ausfahren.
20. August 2023
Die Lieferung des Kühlerschlauchs kam leider nicht mehr, so hatte ich heute ausgedehnt Zeit zum Nachdenken. Kein Segeln und auch sonst nichts zu tun.
Da ich den Schlauch erst vor einigen Monaten getauscht hatte, verfolgt mich der Gedanke nach der Ursache der Undichtigkeit. Bisher ging ich davon aus, ich hatte den Schlauch an der Schelle mit zu viel Kraft befestigt und somit beschädigt. Aber bei genauer Untersuchung des Schlauches kann ich jedoch keine wesentlichen Beschädigungen feststellen.
Somit nutze ich den Sonnentag und krabble mal wieder verschwitzt in den Motorraum zur Recherche. Ich werde fündig. An der Tülle der Wasserpumpe finde ich Unebenheiten und man kann mit etwas Fantasie sogar erkennen, dass dort wohl Kühlwasser ausgetreten ist.
Da ich heute nichts weiter vor habe, mache ich mich mit Poliermittel und Lappen an die Arbeit und mache so lange an der Tülle rum, bis sie an der besagten Stelle blitzblank ist.
21. – 22. August 2023
Ich sollte jedoch unrecht haben. Am Montag kam die Ersatzteillieferung im Hafen und und ich begab mich damit wieder bei fast 40 Grad nach unten zum Motor. Mit etwas Fluchen war es nach 2 Stunden erledigt. Es ist jedesmal eine ziemliche Fummelei, bis der Schlauch auf den Tüllen sitzt. Schließlich noch Kühlmittel einfüllen und dann den Motor zum Testbetrieb auf Drehzahlen bringen.
Leider kommt dann die Ernüchterung, es tritt weiterhin tröpfchenweise Kühlmittel aus.
Ratlos wende ich mich an einen Servicetechniker bei Motoren Bauer, mein bisheriger Volvo Penta Fachbetriebs in Weilheim. Telefonisch gehen wir auf Ursachenforschung und finden heraus, dass wohl der Kühlerschlauch immer dicht war. Vielmehr tritt die Kühlflüssigkeit an der Wasserpumpe aus. Diese scheint wohl defekt zu sein, obwohl ich sie erst vor drei Jahren getauscht hatte. Ich beschließe, mich erst im Winter darum zu kümmern. Vorerst kann ich mit einigen Tropfen in der Bilge leben und es natürlich beobachten.
Ich kümmere mich erstmal um etwas, was meist besser klappt. Ein Männer-Dinner für meinen Bootsnachbarn Eduard und mich.
Morgen bekomme ich wieder Besuch. Meine Tochter Isabell wird mich mit Sohn Lio besuchen und ein paar Tage bleiben. Es wird dem Einhandsegler also doch nicht langweilig.
23. – 27. August 2023
Für den kleinen Racker ist Segeln noch keine gute Idee, er ist noch unkontrollierbar und ich hätte Angst, es könnte eskalieren. Also besser noch warten, bis er etwas größer ist. Also sind mit ihm ein paar Plantschtage am Pool angesagt. Die Sonne brennt mit über 35 Grad und verhindert beinahe jede unnötige Bewegung. Aber im Wasser gehts.
In den nächsten Tagen sollen Unwetter aufziehen. Mit Wind aus südlichen Richtungen ist auch mit ordentlich Schwell zu rechnen. Das Wetter kündigt sich bereits mit bestem Segelwind an. Das wird jedoch so nicht bleiben.
Am Sonntag Abend ziehen die ersten Vorboten der gemeldeten Unwetter auf. Ich entscheide mich, nicht wie geplant bis Freitag zu bleiben, sondern schon morgen nach Hause zu fahren. Da ich im September nicht mehr zum Segeln kommen kann und das Schiff ab 1. Oktober aus dem Wasser kommt, schlage ich bereits heute die Segel ab.
Morgen mache ich dann das Schiff klar für die Winterzeit. Im Oktober werde ich nochmal kommen, um schon mit Arbeiten am Unterwasserschiff zu beginnen. Auch die kleckernde Wasserpumpe werde ich dann final austauschen. Danach ist die Kiste dann hoffentlich dicht.
28. August 2023
Wie vorhergesagt kommt übles Wetter mit Starkregen. Zum Frühstück nochmal ein herzhaftes Resteessen mit allem, was der Kühlschrank noch hergibt. Dann wird Betty geputzt und die Wasserleitungen fürs Winterlager entleert.
Die Segelsaison 2023 geht somit heute zu Ende. Im September werde ich leider keine Zeit mehr haben und im Oktober kommt Betty dann ins Winterlager an Land für Arbeiten am Unterwasserschiff und zur hoffentlich finalen Instandsetzung der Kühlwasserpumpe.
Die Heimfahrt gestaltet sich etwas abenteuerlich. Bedingt durch Starkregen gibt es immer wieder überflutete Straßen und Stau. Nach knapp 7 Stunden komme ich dann zu Hause an.
… Sonne runtergefallen 😉
Hätte ich gerne gesehen 😆
Sehr schöne Fotos, unterhaltsam geschrieben.
So schön ❤️❤️❤️