2. Juli – 26. Juli – 8. August
Auch dieses Jahr ist ein Segeltörn zu zweit geplant. Eine größere Crew wäre wohl machbar aber bei unserer Bootsgröße leidet dann der Komfort. Also freuen sich Sabine und ich wieder auf einige Tage Auszeit in Zweisamkeit.
2. – 25. Juli, Das Leben des Einsiedlerkrebs
Da noch noch die Beerdigung von Sabines Onkel Friedel ansteht, beginnt der Törn nicht wie geplant am 24., sondern am 26. Juli. Ich selber bin bereits einige Wochen am Boot und nutze die Zeit für mich und auch für meinen Kunden. Es seht noch ein Assessment für ein Unternehmen in Südkorea an, das findet mittels Video-Meetings in den frühen Morgenstunden statt. So kann ich bequem das Geschäftliche mit dem Angenehmen verbinden.
An den Nachmittagen und Wochenenden sind tatsächlich einige sehr coole Ausfahrten mit Betty möglich. Und auch kulinarisch geht so einiges!














26. Juli – 8. August, Chili Peng Sailing
Geplant ist ein Besuch Italiens in Venedig in der Marina Isola di San Giorgio Maggiore, gegenüber des Markusplatz. Dort wurde James Bond 007 gedreht und da muss ich einfach mal hin. Auf dem Weg dorthin werden wir vorab Porto Piccolo, Grado und Caorle besuchen. In Venedig bleiben wir wenigstens zwei Tage. Ich war noch nie dort, interessiere mich aber auch nicht so sehr für die Sehenswürdigkeiten, sondern eher für die vielen Möglichkeiten zu einem Espresso in den Seitengassen. Weitere Ziele sind abhängig vom Wettergeschehen.

Sabine kommt am Sonntag, 26. Juli gegen Mittag bei Betty in Portoroz an. Zum Einklang verbringen wir den Nachmittag chillend am Pool und in der Kozelj Weinbar. Zum Dinner werden an Bord Spagetti con Salsa di Capperi, Tonno e Menta gezaubert. Es handelt sich um ein Rezept aus dem Sächzeni (16) aus dem Schweizer Lenzburg. Während meiner Zeit in der Schweiz hatte ich meine Bude direkt über dem Laden im 1. Stock.
Montag, 27. Juli – Porto Piccolo

Nach Frühstück und letzten Vorbereitungen legen wir um 10:35 ab, mit dem Ziel Porto Piccolo. Bei schwachem Seitenwind dümpeln wir mit 2-4 Knoten Fahrt kontinuierlich in die richtige Richtung. Mit Gennaker lief Betty sogar recht gut. Gegen 17:00 Uhr legen wir mit 20,3 Meilen im Kielwasser dort an. Im Schnitt waren wir also nur mit etwa 3 Knoten unterwegs.
Die Marina in Portopiccolo ist sehr schön. Der Hafen ist inmitten eines künstlich geschaffenen Dorfes, eingebettet in einen Steinbruch. Es gibt eine gute Pizzeria und diverse Bars. Auch einige Ladengeschäfte. Aber irgendwie fühlt man sich in dem Retortendorf wie auf einem fremden Stern. Trotz der Hochsaison ist hier nicht wirklich viel Leben zu finden.






Dienstag, 28. Juli – Marina Porto San Vito, Grado

Die heutige Etappe führt uns nach Grado. Luftline sind es nur 10 Seemeilen, aber wir müssen direkt gegenan zum Wind. Das bedeutet einen Zickzack-Kurs und am Ende hatten wir über 20 Seemeilen auf der Uhr. Erst gegen 12 Uhr sind wir in Portopiccolo ausgelaufen und um 17:30 hatten wir schließlich in Grado in der Marina Porto San Vito festgemacht. Viel Wind gab es nicht, aber für bis zu 5 Knoten Fahrt hat es gereicht.
Grado finden wir immer wieder toll und beide haben wir uns sehr auf unsere Lieblingspizza mit Stoffservierte und herrlichem Wein gefreut. Zur Krönung gab es noch ein Eis bei Antoniazzi. Angeblich der Meister der Eiscreme in Grado.






Mittwoch, 29. Juli – Mariclea Club, Ereclea (gut zu erreichen mobil und WhatsApp +39 379 299 7056)

Es geht weiter von Grado in den Mariclea Club nach Ereclea (zwischen Caorle und Venedig). Luftlinie sind es etwa 28 Seemeilen. Um 9:30 haben wir in Grado abgelegt und genau 28 Seemeilen sind wir dann gefahren, mit freundlicher Unterstützung von Volvo-Penta. Es gab praktisch keinen Wind oder nur ein leichter Hauch von vorne auf die Nase. Wir mussten also ein paar Liter Diesel opfern.
Gegen 15:30 waren wir fast am Tagesziel. Die Einfahrt in den Mariclea Club blieb uns jedoch zuerst verwehrt. In der Einfahrt fuhren wir uns auf einer Sandbank fest und mussten zurücksetzen. Also erstmal vor Anker abwarten, bis der Wasserpegel wieder steigt.
Bei einem Badeaufenthalt vor dem Campingplatz bei Pra delle Torrí kommen Erinnerungen aus vergangenen Urlauben mit den Kindern in den Sinn. Schöne Urlaube haben wir hier als Camper verbracht.
Bis 19:00 Uhr steigt der Wasserpegel um etwa 20 cm an. Das könnte reichen und wir lichten den Anker für einen Versuch. Wenn auch knapp, aber es klappt. Wir erreichen 30 Minuten später den zugewiesenen Liegeplatz in der total idyllischen Marina des Mariclea Clubs. Es fühlt sich heimisch an, wie im Segelclub bei Seeshaupt am Starnberger See. Wir überlegen sogar, ob wir nach Venedig als Zwischenstopp nochmal hierher kommen könnten. Das werden wir morgen entscheiden.


Als Kapitän Kärcher bin ich ja längst bekannt aber heute entpuppe ich ich mich als Kapitän Cook. Es werden Gemüse-Nudeln nach Art des Bootes gezaubert, dazu gibt es eine Flasche lecker Malvacija. Nach einer Runde Kniffel schreibe ich noch diese Zeilen.
Morgen früh schlüpfe ich dann wieder in die Rolle des Kapitäns Kärcher, damit wir mit einer blitzblanken Betty in Richtung Venedig aufbrechen können. Ab 10:00 ist der Wasserstand wieder passend. Vermutlich werden wir dann erneut den Wind von vorn haben, aber es sind nur etwa 15 Seemeilen bis zur Einfahrt in die Lagune.


Donnerstag, 30. Juli – San Giorgio Maggiore, Venedig (gut zu erreichen mobil und WhatsApp +39 339 478 7488)

Nach einem Kaffee wird Betty geputzt und der Wassertank nochmal aufgefüllt. Um 10:30 hatten wir dann mit 60 cm Hochwasser genug Wasser unterm Kiel und es ging los in Richtung Venedig. In der Marina Mariclea hat uns der. herzliche Empfang so gut gefallen, dass wir am Samstag nochmal zurück kommen wollen.
Wind gab es nur wenig und den direkt auf die Nase. Somit war auch heute nur Fahrt mit dem Diesel angesagt. Das war aber sehr entspannt und um 15:40 waren wir in Venedig an der Einfahrt zur berühmten Marina San Giorgio Maggiore. Dort wurden wir herzlich begrüßt und bekamen einen Liegeplatz für die nie nächsten zwei Tage. In der Lagune von Venedig ist stets mit viel Welle und Schwell zu rechnen, das war mir zuvor nicht bewußt. Auch in der Marina liegt Bette ziemlich unruhig, aber sicher.






Freitag, 31. Juli – Venedig
Heut ist Ruhetag für Betty. Wir bleiben noch einen Tag in Venedig und beschäftigen uns ein wenig mit der Geschichte und Kulinarik der Stadt.
Bei der Überfahrt vom Markusplatz mit dem Wasser-Bus sehe ich sogar einen Delphin in der Lagune. Der könnte bei gegebener turbulenter Schifffahrerei ziemlich gefährlich leben.
Wie gut, dass wir heute noch in Venedig blieben. Denn zwischen 9:00 und 13:00 Uhr wurden die MUSE-Schutztore in der Ausfahrt am Lido zu Wartungsarbeiten geschlossen.








Samstag, 1. August – Mariclea Club, Ereclea

Die Nacht war der Wahnsinn. Bei der extremen Hitze hörte der Körper nicht auf, zu schwitzen. Wie soll man da einigermaßen trocken ins Bett schlüpfen? Keine Chance. Ich wollte es an Deck versuchen, mit einem großen Badehandtuch als Unterlage. Aber ich war so patschnass, dass an Schlaf nicht zu denken war. Schließlich bemerkte ich, dass auch das Sonnensegel klatschnass war. Wie also sollte ich bei der hohen Luftfeuchtigkeit an Deck trocken werden. Ich verzog mich samt Handtuch in meine Koje, verbrauchte noch zwei trockene T-Shirts und schlief dann wohl irgendwann in den Morgenstunden ein.
Gegen 9:00 Uhr geht es wieder heraus aus der Lagune von Venedig. Zuerst war geplant, bis zur Marina Uno zu segeln. Aber das wären etwa 40 Seemeilen. Also wollen wir nochmals in den Mariclea Club, um die Tagesetappe etwas zu verkürzen. Nur wenig Wind, zuerst aus Süd, dann aus Nord ist vorhergesagt. Wir werden also wohl wieder ein paar Liter Diesel investieren. Am Nachmittag gegen 15:00 werden wir in der Einfahrt zum Mariclea Club ausreichend Wassertiefe haben, das kann ich zumindest so aus dem Gezeitenkalender herauslesen. Ab 14:00 Uhr gibt es eine Warnung für Hitzegewitter, das wäre also zusätzlich zu beobachten.
Tatsächlich sind wir mit wenig Wind und Motorunterstützung um 15:20 wieder im Mariclea Club angekommen. Wir wurden schon erwartet in der gemütlichen und familiären Marina. Gerne wollen wir wieder kommen, ganz toll.
Sonntag, 2. August – Marina Uno (oder auch nicht)

Heute wollten wir von Ereclea nach Marina Uno. Die Ausfahrt aus dem Mariclea Club war mit dem Hochwasser um 10:30 möglich. Es stand ordentlich Welle in der Ausfahrt und so sind wir mehrmals auf der Sandbank aufgesessen. Dennoch war die Ausfahrt möglich.
Bis Marina Uno sind es Luftlinie etwa 17 Seemeilen. Der Wind war jedoch genau auf die Nase, wir mussten aufkreuzen. Um in die Marina Uno zu gelangen, müssten wir mit dem Hochwasser um 13:00 Uhr einlaufen. Das war nicht zu schaffen. Spontan planten wir um und segelten zurück nach Slowenien zu unserem Liegeplatz nach Portoroz. Dort sind wir dann nach 39 Seemeilen am Abend angekommen. Die Überfahrt war zuerst mit viel Wind von vorne, dann mit Flaute und später mit Rückenwind ausgestattet. So konnten wir schließlich den Zieleinlauf mit Gennaker ermöglichen.
Der Abend klang mit netter Gesellschaft und mit Kniffel an Bord aus.

Montag, 3. August – Marina Portoroz

Heute nutzten wir vorerst die Zeit für zwei Maschinen Wäsche. Im Anschluss wollten wir gemütlich den Tag in einer Ankerbucht verbringen. Doch beim Auslaufen gab es wunderbaren Segelwind mit 4-5 Baufort. Das wollten wir zum Spaß für eine Runde Schräglage nutzen. Die Ente brachte es sogar auf über 7 Knoten.




Später zurück in der Marina klingt der Tag am Pool und dann an Bord aus.
Dienstag, 4. August – Poreć

Wir wollen nochmal los und entscheiden uns für eine Nacht an der Boje in Poreć. Um 10:30 Uhr machen wir die Leinen los. Zuerst gibt es schönen Segelwind hart am Wind heraus aus der Bucht, dann geht es mit Seitenwind und Gennaker weiter in Richtung Umag. Später schläft der Wind zeitweise wieder ein und wir segeln mit Unterstützung von Volvo-Penta weiter.
In Poreć hatten wir gehofft, nach 16:00 Uhr und 21 Seemeilen auf der Logge noch eine freie Boje zu finden. Tatsächlich waren nur einzelne Bojen belegt und wir konnten uns eine beliebige aussuchen. Nach einer Runde Schwimmen, einer Dusche und einem ersten Sundowner organisieren wir uns ein Wassertaxi um eines meiner Lieblingsrestaurants (Konoba Cacula) zu besuchen.
Leider jedoch hat Konoba Cacula vorübergehend geschlossen. Wir mussten uns fürs Dinner ein anderes Restaurant suchen, was sich tatsächlich nicht sehr schwierig gestaltete. Zweimal durch die Gassen der Altstadt abgebogen waren wir schon fündig.




Mit dem Wassertaxi ging es gesättigt wieder zurück aufs Boot, dann direkt in die Koje.
Mittwoch, 5. August – Portoroz

Heute ist der 30. Todestag meiner Mutter Betty. Unsere Besuche in Venedig und Poreć hatten auch ihr sicherlich sehr gefallen.
Bei Leichtwind von schräg hinten geht es zurück nach Portoroz. Mit Gennaker lassen sich 2-4 Knoten realisieren. Ab Umag schläft der Wind dann fast komplett ein, wir bemühen also wieder mal den Dieselantrieb zur Unterstützung. Vor Savudrija begegnen wir unsere Freunde mit der MGMT, die bei null Wind ebenfalls die Segel bergen. Aus Norden zieht ein Gewitter auf und dann an uns vorbei.




In Summe hatten wir nach dem Törn mit Betty 214 Seemeilen auf der Uhr. Das Ziel, Italien bis Venedig zu besegeln haben wir erreicht. Nächstes Jahr wollten wir wieder in Richtung Süden, entlang der kroatischen Küste, über den Kvarna Kanal hinweg zu den Inseln der Kornaten.
Donnerstag, 6. August – Tagesausflug mit MGMT
Es bietet sich ein gemeinsamer Segeltag mit unseren Freunden Saskia und Peter auf ihrer MGMT and. Der Wind ist wunderbar und es gelingt vor den Kulissen von Portoroz, Savudrija, Grado, Triest und Piran eine Rundreise um die Nord-Adria.




Der Tag klingt aus mit Schinkennudeln a’la Cäptn Cook. Peter mag keinen Essens geruch im Salon der MGMT, also wird auf Betty gebrutzelt und dann auf MGMT gefuttert.

Freitag, 7. August – Der Großputz beginnt
Unser Urlaubstörn geht nun zu Ende. Morgen fahren wir wieder nach Hause und wir nutzen schon heute die Zeit, die Betty wieder frisch zu machen.
Ab Nachmittag und auch morgen soll es Gewitter und Bora geben, wir wollen also nicht mehr rausfahren und hängen in der Hitze im Schatten und am Pool ab.
Zum Abschluss gönnen wir uns noch einen Besuch in Padna zu lecker Steak und Trüffel bei Restavracija Gold Istria. Eine Adresse, die wir sehr empfehlen können und definitiv zu unseren Lieblingsrestaurants gehört.


Für Sabine gehen 2 Wochen Urlaub zu Ende. Ich hingegen war sogar 5 Wochen auf Betty. Mal sehen, ob ich mich zu hause wieder zurecht finden werde. Es ist ja nur für kurze Zeit. Schon in einigen Tagen werde ich Boni in La Ciotat besuchen und danach bin ich Ende des Monats wieder zurück bei Betty.
Auf der Rückfahrt ging es noch mit dem Auto nach Muggia in die Marina Porto San Rocco, um dort das offizielle Shirt für die anstehende Barcolana’58 zu ergattern. Somit haben jetzt die Vorbereitungen für die nächste Regatta im Oktober begonnen.

